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Vom Säen, Giessen, Ernten und der gemeinsamen Gartenpflege


Geschätzte Leserin, geschätzter Leser
In den vergangenen Monaten durfte ich ein Teil des Theater-/Tanz-/Musikprojekts «Treffpunkt3» werden. Da ich den Titel dieses Stückes nicht nur für seinen Inhalt, sondern auch für seinen Entstehungsprozess und dessen Ziel sehr passend finde, möchte ich ihn gerne benutzen um dir meinen Bezug zu diesem gemeinsamen kreativ-schöpferischen Akt etwas näher zu bringen.
Damit ein Treffpunkt zu einem solchen wird, gibt es meiner Meinung nach drei unverzichtbare Elemente. Als Erstes benötigen wir Raum, in dem wir uns begegnen können. Eine weitere Grundlage ist die der Intension, also des Wunsches sich an einem bestimmten Punkt oder aus einem bestimmten Grund zu treffen. Alles was dann noch fehlt sind diejenigen, die sich begegnen möchten.

Nun sind es eben diese drei Elemente, welche es im Rahmen unserer Treffen und Proben immer wieder schaffen mich zu überraschen, zu fordern, zu begeistern und eine neue Begegnung mit mir selbst, dem Glauben, dem Theater und den Gefährten dieses Projektes ermöglichen.
So überraschte mich zum Beispiel die Erkenntnis, dass man nicht nur eine Theaterrolle mit der eigenen Identität «bespielen» kann, sondern auch die eigene Identität mit einer Theaterrolle bespielbar ist. Soll heissen: mit welcher Stimmung ich auch ins Theater komme, ob euphorisch, verwirrt oder niedergeschlagen, dank der Kraft, der Fantasie und den von Silvia angeleiteten Übungen zum Rollenstudium ist es möglich, alle diese Empfindungen abzustreifen und wie aus einem Emotionalen Kostüm in ein anderes zu schlüpfen. So manche Probe wurde für mich zur Selbsttherapie, aus der ich gelöst, inspiriert und neu erfunden wieder herauskam.

Fordernd war für mich vor allem die Anfangsphase des Projektes, in der ich die Rolle von Jeschua, welche ich im Stück besetze, studierte und merkte, dass der Jeschua meiner eigenen Vorstellung und derjenige, welcher durch das Theaterskript spricht, manchmal andere Dinge oder die Dinge anders benennen und erklären. So hatte ich das Vergnügen und die Herausforderung herauszufinden, wie viel Raum ich meinen Erwartungen und spirituellen Ansichten geben möchte, ohne in Konflikt mit meiner Rolle zu geraten oder daraus ein «riesen Theater» zu machen.
..nun möchte ich aber nicht schon diesen Text in ein Drama verwandeln, denn dazu kommen wir ja noch.


Die Erfahrung, mich auf eine so neue und andersartige Weise mit einem monotheistischen Gottesbild auseinanderzusetzen, bereichert gleichermassen wie die Perspektivenvielfalt, die Kompromissfreudigkeit und die Wertschätzung meiner neu gewonnenen Freunde. Da die Intension der Teilnehmenden auf so greifbare Weise von Wohlwollen, Offenheit und gegenseitigem Respekt geprägt ist, darf ich nun zu jedem unserer Treffen mit der Gewissheit und dem Vertrauen gehen, auf harmonische und organische Weise etwas Gemeinsames, Erfüllendes und Bereicherndes kreieren zu können, um dies dann in der Heiteren Fahne ans Publikum zu verschenken.
Nun (Bevor aus einem Blogbeitrag ein ganzer Roman wird) noch ein Wort zum Glauben, der Sprache des Kopfes und der Sprache des Herzens. Die rationale, aufklärerisch «vernünftige» Sprache unseres Kopfes hat uns weit gebracht! So weit, dass wir im Winter nicht mehr frieren, für einen Liter Olivenöl nur in den nächstbesten Laden gehen müssen (anstatt mit dem Pflanzen von Bäumen eine vieljährigen Arbeit zu beginnen), ja sogar so weit, dass wir miterleben, was am Eventhorizont von schwarzen Löchern, welche 55 Millionen Lichtjahre entfernt sind passiert. Doch wie bei jeder Reise, auf die man sich begibt, lässt man auch etwas zurück.. vergisst etwas.. und im Falle des «zivilisierten Menschen» haben wir meiner Meinung nach etwas zurückgelassen, was durch nichts anderes ersetzt werden kann. Unser Vertrauen, in das Unverständliche, Unerklärbare, Wunderbare und Fantastische.. und dadurch unseren Glauben. Doch die Fragen, welche sich uns auf dem Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben stellen, lassen sich nicht mit berechenbaren Lösungen beantworten.
Im Gegenteil, es benötigt, dass wir über unseren eigenen Schatten springen, mit dem Vertrauen, nicht in bodenlose Tiefen zu fallen. Oder wie Käptn Peng es sang: «... sie merkten, dass das Fall’n zum Schweben wird, wenn man aufhört sich an Dingen fest zu krall’n»
Lassen wir uns also wieder ein, auf Gespräche, auf Erfahrungen, auf neue Perspektiven und helfen uns gegenseitig, nicht nur das zu glauben, was wir glauben sollen... sondern das was wir glauben wollen. Dafür ist ein Treffpunkt da: Um zu teilen, auszutauschen, von und durch einander zu lernen um ein glücklicheres, bewussteres und erfüllenderes Leben zu führen.
So kann Spiritualität sein, wie ein innerer Garten: aus jedem Samen, den man pflanzt, kann eine wunderschöne Blume, ein leckeres Gemüse oder ein schützender Laubbaum wachsen. Welche Dinge man pflanzen möchte, wie stark man sie beschneidet, ob man das Gemüse mit dem Nachbarn teilt oder lieber gar eine hohe Mauer um den eigenen Garten baut, ist jedem Gärtner selbst überlassen. Hauptsache, man erfreut sich am Leben. 
 
Und weil wir in diesem Theater-/Tanz-/Musikprojekt einander alle einen Teil unseres Gartens zur Verfügung stellten, Obst- und Gemüse, ja sogar die Blumen und den Schatten der Bäume teilten, haben wir dadurch einen Treffpunkt schaffen können, der blüht, gedeiht und jeder seine Wünsche einbringen darf. So laden wir dich ein vorbei zu schauen, den wohligen Schatten und die betörenden Düfte zu geniessen um dann mit uns die Zucchetti zu brechen.. denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen. 😉

 



 








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