Direkt zum Hauptbereich

Gott und das Leiden

Das TheaterTanz-Projekt Treffpunkt3 fordert heraus. Es geht einer fundamentalen Frage nach. Nämlich wie sich der Glaube an einen liebenden Gott mit dem (ungerechten) Leiden in der Welt vereinbaren lässt. Hat dich diese Frage auch schon bewegt? Was denkst du darüber?

Immer wieder wurden Antworten oder doch ein Umgang mit dieser Frage versucht. Das Leiden sei quasi ein pädagogisches Mittel Gottes, um Menschen zur Umkehr zu bewegen. Oder es sei eine Strafe Gottes für die Unrechtstaten der Menschen. Auch dann, wenn es Unschuldige treffe. Das Leiden habe in Gottes Plan ganz sicher einen Sinn, auch wenn wir es absolut nicht verstünden. Andere zogen die Konsequenz, dass ein Gott zwar die Welt geschaffen, sie aber danach sich selbst überlassen habe. Christ*innen verweisen auf Jesus und sagen, in ihm sei Gott mit den Leidenden solidarisch geworden. Andere distanzieren sich von einem personalen Gott und sehen in der Welt eine kreative göttliche Energie am Werk. Diese schafft und zerstört.

Konkret: Mir kommt das Volk der Uiguren in den Sinn. Sie werden vom chinesischen Regime daran gehindert in ihren Moscheen zu beten. Tausende werden in Umerziehungsgefängnisse gesteckt, oft unter grausamen Bedingungen. Wo ist da Gott? – Oder ich denke an eine Freundin unserer Familie. Mit 54 ist sie vor kurzem an einem Hirntumor gestorben. Wie steht Gott zu dieser Tragödie?

Eindringlich hat der jüdische Philosoph Hans Jonas 1984 die Frage nach Gott angesichts des Leidens in seiner Rede „Der Gottesbegriff nach Auschwitz“ gestellt. Im Blick auf den Holocaust sagt er: „Gott [ist] eminent Herr der Geschichte, und da stellt ‚Auschwitz‘ selbst für den Gläubigen den ganzen überlieferten Gottesbegriff in Frage. Was für ein Gott konnte das zulassen?“ Jonas nimmt sich in seinem Antwortversuch drei zentrale Eigenschaften Gottes vor: Gott ist gütig, allmächtig und verstehbar, sagt die Glaubenstradition. Um sinnvoll und redlich an Gott festhalten zu können, meint nun Jonas, muss eine dieser Eigenschaften aufgegeben werden. Er entscheidet sich gegen die Allmacht Gottes. „Nur wenn [Gott] nicht all-mächtig ist, nur dann können wir aufrechterhalten, dass er verstehbar und gut ist und es dennoch Übel in der Welt gibt.“

Was denkst du zu dieser Frage und ihren Antwortversuchen? Was hat dir geholfen, wenn du von dieser Frage nicht nur denkerisch, sondern auch existenziell betroffen warst?

Ich würde mich freuen, wenn hier ein Gespräch zu diesem zentralen Thema des Treffpunkt3 entsteht!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erneut ein Anfang

L iebe Treffpunkt³ Freunde  Im Zuge der Lock-Down Situation und der vermehrten Gefahr des Virus COVID-19 haben wir unsere Theateraufführungen, welche diesen Frühling in der Heitere Fahne und im Haus der Religionen stattgefunden hätten, leider, jedoch mit gutem Gewissen absagen müssen. Wir haben alle Proben und jegliche Aufgaben rund um das Theaterprojekt seither pausiert. Diese Situation hat uns alle zur Neuorientierung und Transformation gefordert. Ebenso ist in unserem Projekt eine solche Erfahrung durchgemacht worden. Mit den Lockerungen im Juni haben wir von neuem angefangen uns mit unserem Theaterprojekt zu beschäftigen.  Dahingehend entgegneten wir einer grossen Veränderung. Der Darsteller für Daniel kann nicht mehr mitmachen. Glücklicherweise ist unser Darsteller für Jeschua immer noch gewillt seine Rolle im Stück zu erfüllen. Aus dieser Entwicklung heraus haben wir die Geschichte dem neuen Umstand angepasst und nun erzählt Jeschua die Geschichte Daniels. Die Elemente v

Zur Aktuellen Lage des Projektes - Verschoben ist nicht aufgehoben!

Liebe Treffpunkt³ Freunde Aufgrund der neusten Bestimmungen vom Bund bezüglich der Bekämpfung des Corona Virus werden auch wir auf Proben in der nächsten Zeit verzichten. Die Aufführungen in der Heitere Fahne können leider nicht an den geplanten Daten durchgeführt werden sowie auch die Aufführung im Haus der Religionen nicht. Wir bleiben mit der Heitere Fahne im Kontakt um mögliche Aufführungsdaten zu finden. Dazu werden wir euch natürlich entsprechend informieren. Wie für viele ist es auch für uns eine schwierige Lage und es macht uns alle traurig, dass wir unser Projekt nicht wie geplant durchführen können. Doch stehen wir hinter der Entscheidung des Bundesrates und möchten unseren solidarischen Beitrag leisten. Wir hoffen, dass ihr unser Projekt weiterhin verfolgt und so auch alle neuen Informationen erhaltet. Wir danken all denen, die schon eine Aufführung reserviert haben und hoffen, dass ihr auch an einem neuen Daten dabei sein könnt! Falls Fragen bezüglich den Reservatione

Gott oder G*tt?

Im TheaterTanz-Projekt Treffpunkt3 wird Gott und sein Wirken vielfältig dargestellt und zum Ausdruck gebracht. In den Klängen von Musik und Gesang; als Bewegungen im Tanz, und in den Worten von Jeschua und Daniel. Hinter dem Stück steht die in den Erfahrungen der christlichen Glaubensgemeinschaft gewonnene Konzeption Gottes als sogenannte Trinität. Das heisst: Die Gottheit wird nicht „monotheistisch-fixiert“ gedacht, sondern als eine dynamische Gemeinschaft von drei „Personen“. Diese Gemeinschaft schliesst sowohl das unaussprechlich-Transzendente (Gott-„Vater“) ein, sowie das ganz und gar Menschliche, samt Leiden und Tod (Jesus) wie auch die gegenwärtige Präsenz Gottes im Menschen, ja in der gesamten Schöpfung (Heiliger Geist). Diese Gemeinschaft umspannt die grösste, uns denkbare Differenz. Der Treffpunkt3 verabschiedet sich zudem von der jahrhundertealten Vorstellung eines nur männlichen Gottesbildes. Schon in der Inspirationsquelle zu unserem Stück, dem Roman „Die Hütte“ von Willia